Hier beschreibe ich jetzt einen weiteren seltenen Apparat eines kleinen Automatenherstellers, Hans Lindl aus Kelheim. Eine sehr schöne Stadt an der Donau, nächste größere Stadt ist wohl Regensburg. Der Automat Gold 0 Zero hat eine Zulassung bis 1971 und sollte daher 1968 in den Spielbetrieb gekommen sein. Damals hatten die Postleitzahlen noch 3 Ziffern. Nach meiner Internetrecherche gibt es diesen Automaten wohl später auch als 20Pf Gerät mit dementsprechend 2 DM Höchstgewinn.
Mein Gold O Zero ist noch ein 10 Pf Gerät mit 1 DM als Höchstgewinn und einem Geldwechsler für 50 Pf und 1 DM Silbermünzen. Wobei hier auch schon 10 Pf sofort für ein Spiel eingesetzt werden. Nur beim Optima Supra von Bally Wulff habe ich das bisher anders erlebt. Eine Münzvorlage gibt es nicht. Wenn man länger spielen will, muss man am Automaten bleiben.
Den Automaten hat mir mein Sohn im Juli 2018 aus der Nähe von Gießen mitgebracht. Der Gold 0 Zero war ein Glückskauf für ’nen Appel und ’n Ei. Natürlich lief er nicht und musste an vielen Stellen repariert und neu justiert werden. Aber, genau darin liegt ja der Spaß. Nachher hat man dann das Gefühl, der Gold 0 Zero gehört einem auch wirklich.
Wenn ich mir das Frontbild so ansehe, drängt sich mir immer wieder das Bild auf, dass dieser Automat in einem Etablissement im Milieus gehangen hat. Diese rote Scheibe und die besondere Darstellung der „0“ haben wohl dazu beigetragen. Wenn ich einen Film im Milieus drehen sollte und es wären die 70iger Jahre abzubilden und ein Spielautomat hätte an der Wand zu hängen, dann wäre das dieser und kein anderer.

Bild 2: Technik des Gold 0 Zero

Der Automat ist von der Technik her baugleich mit dem Rotomat Joker von Bally Wulff. Allerdings ist die Optik und das Spielsystem deutlich anders als bei den Bally Wulff Geräten dieser Zeit:
Während Bally Wulff immer die Doppelwalzen rechts und links und die Einzelwalze in der Mitte angeordnet hat, laufen die Doppelwalzen bei Zindl’s Gold 0 Zero links und in der Mitte und die Einzelwalze mit zwei besonderen Symbolen, einer weißen und einer goldenen 0 rechts. Der Spielablauf wiederum ist gleich. Alle drei Walzen starten zusammen. Die linke Walze stoppt zuerst und kann nachgestartet werden, dann stoppt die rechte Walze, von Hand oder nach Spielablauf und zuletzt stoppt die mittlere Walze, durch das Drücken der Stopptaste oder von selbst.

Das Gewinnsystem geht folgendermaßen:
Wenn drei gleiche Zahlen auf den 5 Walzen zu sehen sind, wird der entsprechende Anzahl an 10 Pf-Münzen gewonnen und ausgeworfen. Wenn die rechte Walze eine silberne 0 anzeigt, werden 20 Pf gewonnen. Wenn die rechte Walze eine goldene 0 anzeigt, wirkt sie wie ein Joker und ergänzt jede Zweier-Kombination von gleichen Zahlen. 4 – 4 – goldene 0 ergeben also 40 Pf als Gewinn.

Bild 3: Der anfällige Walzenantrieb

Mit den technischen Parallelen hat der Gold 0 Zero von Hans Lindl natürlich auch alle technischen Schwächen des Joker geerbt. So z.B. die zerbröselten Antriebstellerreibscheiben an den Walzen und den teilweise auftretenden Zinkfraß im Münzweg der 10 Pf Münzen.

Bild 4: Steuerung des Geldwechslers
Bild 5: Steuerung des Münzabwurfs

Der Gold 0 Zero hat zwei Münzröhren für die 10 Pf Münzen, keine für Silbergeld. Die vordere Röhre (Bild 5) ist für die Geldwechselung zuständig und besitzt daher auch einen Relais unten, das den Silbergeldeinwurf sperrt, wenn zu wenig Münzen in der Röhre liegen (vom Metallblech verdeckt). Die hintere Münzröhre (Bild 2) ist für die Gewinnausschüttung zuständig. Sie wird daher immer zuerst gefüllt und die vordere Röhre erst versorgt, wenn die hintere gut gefüllt ist. Die dafür zuständige Technik funktioniert rein mechanisch und deshalb nach Jahrzehnten des Stillstands meistens eben nicht mehr. Bevor man entnervt die Mechanik verbiegt (habe ich mehr als einmal gesehen), damit sich die hintere Röhre überhaupt einmal füllt, sollte man, mit ein paar tropfen Öl an den richtigen Stellen, die Mechanik reaktivieren, sonst bleibt in Folge nämlich die vordere Röhre dauerhaft leer und die überschüssigen Münzen landen auch nie in der Kasse, sondern verteilen sich im Automaten.

Bild 6: Münzprüfer für Silbergeld

Zuletzt noch eine Bitte an den erfahrenen Automatenfan: Sowohl der Joker als auch der Gold 0 Zero haben diesen Magneten (Bild 5), der beim Silbergeldeinwurf die Gabel, die den Münzabwurf der 10 Pf Münze steuert, etwa 3 mm nach rechts einrückt. Wofür soll das gut sein? Ich habe keine Idee.

Bild 7: Kasse

Der Gold 0 Zero lässt sich, genau wie der Rotomat Joker, mit 5 Cent Münzen spielen.

Hier nun das Spielvideo: